Wer Wirtschaftsprüfer werden will, kann durch ein Masterstudium schneller ans Ziel kommen. Ehrgeiz und Hartnäckigkeit sind dafür die Voraussetzungen.

Frank Burger
Hamburg

Der Anruf bei Sven Braun kommt zum richtigen Zeitpunkt: „Gestern habe ich die Ergebnisse meiner letzten Klausuren in Prüfungswesen bekommen“ sagt der Völklinger. „Ich bin zufrieden, jetzt muss ich nur noch den mündlichen Teil bestehen.“ Ende des Monats stellt sich der 30-Jährige den Fragen der Prüfer. Und wenn alles glatt geht, hat Braun dann sein Wirtschaftsprüferexamen in der Tasche. Das Besondere an seinem Werdegang: Auf dem langen, harten Weg, der zu dem begehrten Abschluss führt, hat Braun durch ein Masterstudium Zeit sowie Nerven gespart.
Bis vor kurzem war der Weg zum Wirtschaftsprüfer ziemlich alternativlos vorgezeichnet: Auf ein wirtschaftwissenschaftliches Studium folgten mindestens drei Jahre Assistenz bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, dann die Vorbereitung bei teuren privaten Repetitorien auf das Examen, das aus sieben Klausuren und mündlichen Prüfungen besteht. Die Durchfallquote liegt bei rund 50 Prozent. Und viele, die durchkommen, sind bereits Mitte 30, wenn sie endlich voll in den Beruf einsteigen können.

Ihre potenziellen Arbeitgeber, die Prüfungsgesellschaften, sorgen sich angesichts der hohen Hürden um ausreichenden Nachwuchs.

Doch seit gut drei Jahren können Absolventen mit Bachelor- oder Diplomabschluss in der Tasche nun auch durch ein Masterstudium ans Ziel kommen.

WENIGER PRÜFUNGEN DURCH STUDIUM

Sven Braun hat nach seinem BWL-Studium und der Ausbildung zum Steuerberater den viersemestrigen Masterstudiengang Auditing, Finance and Taxation an den Fachhochschulen Münster und Osnabrück belegt.

Die Studienleistungen in Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Wirtschaftsrecht werden anerkannt, so dass später nur noch vier statt sieben Klausuren geschrieben werden müssen. Das spart Zeit“, begründet er seine Entscheidung.

Zulassungsvoraussetzung für alle fünf bisher akkreditierten Studiengänge in Deutschland sind neben Mannhelm Business School dem ersten Studienabschluss ein Jahr Assistenzzeit bei einer Prüfungsgesellschaft, die bestandene Zulassungsprüfung und gute Englischkenntnisse. Die Studiendauer beträgt je nach Hochschule vier bis sechs Semester, die Gebühren reichen von 2.400 Euro pro Semester an der staatlichen Fachhochschule Mainz bis zu 35.000 Euro für das gesamte Studium an der privaten Business School in Mannheim. Da die Masterangebote berufsbegleitend konzipiert sind, übernimmt oft der Arbeitgeber einen Teil der Kosten.

Ohnehin kooperieren alle Hochschulen stark mit der Praxis. Die Prüfgesellschaften haben großes Interesse an den Absolventen. So sind die „Big Four“, also Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PWC, eng mit der Mannheim Business School verzahnt. Gemeinsam versuchen sie zurzeit noch weitere Hochschulen davon zu überzeugen, alternative Nester-Studiengänge zu schaffen.
In einer einmaligen konzertierten Aktion gehen sie auf bundesweite Werbetour für dieses Ziel.
Dabei braucht es gar nicht einen großen Arbeitgeber, um nach dem Abschluss sein Glück zu finden:

Sven Braun arbeitet in der Kanzlei seines Vaters und wird sie wohl in ein paar Jahren übernehmen.

Fünf Masterstudiengänge gibt es, die nach Paragraf 8a der deutschen Wirtschaftsprüfungsordnung akkreditiert sind. Sie sind „besonders geeignet zur Ausbildung von Wirtschaftsprüfern„. Leistungen aus diesen Studiengängen werden angerechnet, so dass die Absolventen im Wirtschaftsprüferexamen nur vier statt sieben Klausuren schreiben müssen. Im Einzelnen:

Erschienen im Handelsblatt 05/2010

Den eingescannten Artikel als pdf anschauen: Nerven und Zeit sparen mit dem Master (Handelsblatt)